Spitäler, Parkhäuser, private Computer, uvm. wurden von WannaCry lahmgelegt. All das weil ein paar Script Kiddies mit NSA Exploits spielen (oder für nicht IT-Nerds: Weil ein paar Leute die nicht vom Fach sind, Schwachstellen mit Tools ausnützen die von Geheimdiensten entwickelt wurden). Die WanaCry Macher*innen wollen Geld erpressen, ein anderes Programm mit gleicher Basis berechnet Crypto-Geld. Beiden geht es um schnellen Profit.Das Chaos und die Systemausfälle rund um WannaCry zeigen aber eins sehr deutlich: Wir sind geliefert wenn die IT-Systeme ausfallen. Das was hier passiert ist, ist mehr oder weniger zufälliger Schaden. Man kann sich leicht ausmalen, wie die digitale Kriegsführung mit dem Spielzeug von NSA & Co aussieht, wenn sie ein bestimmtes Ziel auswählen. Insbesondere wenn diese beispielsweise nicht Uranaufbereitungsanlagen sondern kritische Infrastrukturen wie Strom, Gas & Wasser sind.

Es wäre an der Zeit IT-Schwachstellen als Dual Use Güter zu klassifizieren. Die Statistik zeigt, dass liberale Waffengesetzen Länder nicht sicherer macht. Und genau dass sind IT Lücken in den richtigen Händen. Nur dass diese digital, daher nicht an Landesgrenzen gebunden sind und uns somit alle betreffen. Tools um Sicherheitslücken auszunutzen, können auch als Massenvernichtungswaffen eingesetzt werden. Und ganz ehrlich: Was helfen einem Atomwaffen, wenn man sie mangels Strom und Netzwerk nicht abfeuern kann.

Die Politik nimmt sich dieses Themas (noch) nicht an, ob es Ignoranz, Inkompetenz, mangelndes Problembewusstsein oder Absicht ist sei dahin gestellt, spiel schlussendlich aber keine Rolle. IT-Systeme sind nur insofern reguliert, wie es der Profitabilität dient, z.B. mit dem Urheberrecht. Dort wo Schaden entsteht gibt es aber AGBs: Ich darf Windows weder kopieren noch modifizieren, aber wenn es abstützt bin ich selber schuld, dass mein Word Dokument verloren ist – oder mir die Gasturbinen im Kraftwerk um die Ohren fliegen.

Dass die Wirtschaft die Politik hinter sich lässt ist seit jeher nichts neues. Es liegt an uns für unserer Rechte zu kämpfen. Errungenschaften wie Kollektivverträge, 8h Tage, uvm. sind nicht durch schöne Worte sondern durch Arbeitskampf erreicht worden. Arbeiter*innen sind heutzutage aber überwiegend Menschen, die in Büros arbeiten und mit Tischfußball und gratis Obst bei Laune gehalten werden.

Die heutigen Arbeiter*innen können die Multinationalen Konzerne nach wie vor bestreiken, sie brauchen dazu aber andere Mittel. Die Mistgabeln, Fackeln und Molotowcocktails des 21 Jhd. sind Exploits, Trojaner und Spyware. Die Arbeit niederzulegen kostet einem Konzern vielleicht ein müdes Lächeln, Ausfälle in der IT hingegen sind deren Achillesferse. In einer Zeit wo Konsumenten alles sofort und gleich wollen, kann selbst ein Ausfall von wenigen Stunden, Einbußen in Millionenhöhe bedeuten.

Auch der Staat entdeckt die IT für sich und beschließt auf dem laufenden Band neue Überwachungspakete, beschneidet Freiheiten der Bürger*innen und versucht die einfache und unkomplizierte Kommunikation im Internet durch die Hintertüre („Hate Speech“-Gesetze) zu regulieren. Auch hier gilt es sich zu organisieren und „digitale Maßnahmen“ zu ergreifen.

Die 300.000 Demonstrant*innen für den 8h Tag am 1. Mai 1886 konnten von den Ordnungsbehörden nicht bekämpft werden. Heute ist es leicht, Demonstrationen mit 1.000.000 Teilnehmer*innen und mehr aufzulösen. Aber ist es immer noch leicht, wenn die Crowd sich über Echtzeitsysteme vernetzt, Quadcopter dabei hat die alles Livestreamen und eventuell sogar den Behördenfunk stören/abschalten kann?

Die Schweinereien die passieren sind immer gleichen, doch das Schlachtfeld hat sich geändert. Man muss aber das Spiel verstehen um mitspielen zu können: Programmieren ist das neue Lesen und Schreiben, aber digitale Analphabeten können sich gegen ihre Unterdrücker nicht auflehnen. Und auch die mittlerweile etwas angestaubten Thesen, dass Produktionsgüter der Allgemeinheit gehören sollten, bekommen einen neuen Charm, wenn sie auf immaterielle Güter, insbesondere KI-Systeme anwendet.

 

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