Auch bei den deutschen Nachbarn gab es Wahlen – doch dort steht keine Liebesheirat bevor, wie hier in Österreich. Während hier vom Turteln in den Hinterzimmern kaum etwas nach außen dringt, ist es beim Nachbarn völlig ungewiss, ob die potenziellen Koalitionäre am Ende überhaupt zusammenfinden, da sie völlig unterschiedliche und zum Teil diametral gegenläufige Agenden verfolgen. Anders als in Österreich ist man sich jedoch einig, dass mit den Schmuddelkindern vom rechten Rand, keiner spielen will. Inhaltlich ist man jedoch durchaus – besonders bei CDU/CSU – bemüht, den Rechtswählern Konzessionen zu machen.

Besonders beim Thema Familiennachzug für anerkannte Flüchtlinge rumpelt es – und obwohl dreiviertel der Deutschen insgesamt, ebenso wie 67 % der Unionswähler diesen Familiennachzug befürworten, wehren sich die Unionsspitzen mit Händen und Füßen dagegen. Dies alles wegen der irrwitzigen Idee, die rechte Minderheit damit besänftigen und sie wieder an sich binden zu können. Dass man dabei die eigenen Werte verrät, scheint die politisch handelnden nicht zu beeindrucken.

Es ist nicht so, dass nur ich mich in den letzten 15 Jahren vom christlich-sozialen Weltbild entfernt habe, weil der Wert der individuellen Freiheit in meinem Denken eine zentrale Bedeutung gewonnen hat. Auch die CDU und besonders die CSU, haben sich in den letzten Jahren verändert. Sie haben sich zusehends von ihren Werten entfernt. Gelitten haben vor allem, die humanistischen Wurzeln und das Fundament der christlichen Soziallehre.

Das wird besonders deutlich, wenn man beobachtet, wie Teile der alten Garde mittlerweile mit aktuellen Standpunkten der Union fremdeln. Da wäre z.B. der stramm katholische Hardliner, Hans Zehetmair, der 2016 über den Münchner Merkur folgendes ausrichten ließ: „An die Unionsschwestern appelliert er, „wieder in eine konstruktive Phase zu gelangen“. Das sei das effektivste Instrument gegen die AfD. Dazu gehöre eine verbale Abrüstung. Ihn besorgt der Ton, in dem zunehmend über Flüchtlinge gesprochen werde. „Bei allen Problemen: Wir reden von Menschen, Mitmenschen.“

Norbert Blüm hat es nun mit seiner brillant plastischen Rhetorik in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nochmals ganz klar auf den Punkt gebracht:

Ist die CDU von allen guten Geistern verlassen? Zieht die Notbremse, liebe Verhandlungsführer, und verhindert den Verrat an unseren besten Ideen. Soll jetzt die christliche Soziallehre ausverkauft und auch noch die letzte Erinnerung an sie ausgekehrt werden? Das wäre meiner Christlich Demokratischen Union nicht würdig. Wenn der Familiennachzug ausgerechnet an der CDU scheitert, wünsche ich jedem Redner der Partei, dass ihm fortan das Wort im Hals steckenbleibt, wenn er die hehren Werte der Familie beschwört.

Die Union steht nicht mehr dort, wo sie einmal gestanden hat und sie hat sich dem rechten Zeitgeist unanständig angenähert. Ich will die Vergangenheit nicht verklären, denn auch vor 30 Jahren gab es welche, die in ihren Nischen und Seilschaften mit rechtsextremen Positionen geliebäugelt haben, aber in ihrer Gesamtheit haben sich die Unionsschwestern noch nie so weit von ihrem humanistischen Anspruch entfernt, wie heute. Ich persönlich habe ihn mir erhalten.

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